Wolfart

Titel des Buches von Wolfart. Wolfart irrt sich bezüglich Mesmers Vornamen. Er nennt ihn "Friedrich Anton" anstelle von "Franz Anton".

Zwischen 1806 bis 1820 befand sich die bedeutendste magnetische "Szene" in Deutschland in Berlin und gewann hier eine besondere Seriosität. Dies geht insbesondere auf den herausragenden Mediziner seiner Zeit, C.W. Hufeland zurück, der nach Selle zum Direktor der Charité in Berlin aufrückte. Hufeland hatte früher den Mesmerismus als Scharlatanerie abgetan, sich aber später durch die offensichtlichen Heilerfolge überzeugen lassen, die er aber - ganz rationaler Wissenschaftler - auf den Einfluß der Imagination zurückführte. Anders also als die Kommission des französischen Königs Ludwig XVI, die den Mesmerismus als "nur" auf Imagination beruhend abtat, erkannte er deren therapeutische Bedeutsamkeit. Wohl mehr als viele Bücher der damaligen Zeit, wurde der Magnetismus in Preußen insbesondere dadurch gefördert, daß Hufeland seine Zeitschrift "Journal der praktischen Arzneykunde und Wundarztneykunst" für Beiträge zum Magentismus öffnete und 1809 selbst eine magnetische Behandlung veröffentlichte, wobei nicht er, sondern C.A.F. Kluge, ein junger Berliner Chirurg die magnetische Behandlung vornahm (Kluge wurde später durch sein einflußreiches Buch über den Magnetismus bekannt (siehe Auszüge in der Bibliothek).

Portrait des 75jährigen Mesmer
K.C. Wolfart (1778-1832)
Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836)

Seine plötzliche Berühmtheit verschaffte Gassner verschiedene Einladungen. So reiste er unter anderem an den Bodensee, wo er große Erfolge in Salem und in Meersburg hatte, allerdings ohne das Wohlwollen des Bischofs von Konstanz zu gewinnen. In der Tat wurde in "aufgeklärten" Kreisen der katholischen Kirche die breite Wirkung Gassners mit Unbehagen betrachtet. Man befand sich in der Zeit der "Aufklärung", die nach vernünftigen Erklärungen suchte und übernatürlichen Erklärungsansätzen ablehnend gegenüberstand.
Im Spätherbst 1775 setzte der bayrische Kurfürst Max Joseph eine Kommission zur Untersuchung der exorzistischen Praktiken ein. Unter anderem wurde auch Franz Anton Mesmer eingeladen, der Aufsehen mit der Entdeckung einer neuen Form von Energie erregte, die er den tierischen oder animalischen (d.h. den belebten Organismus betreffenden) Magnetismus nannte. Eine ungünstige Verteilung der magnetischen Energie im menschlichen Körper verursache die verschiedensten Krankheiten, und nur durch eine gleichmäßige Neuverteilung könne die Krankheit beseitigt werden. Die Neuverteilung der magnetischen Energie erfolge, indem der Magnetiseur mit den Händen über den Körper des Kranken streicht. Die magnetische Umverteilung zeige sich in der sogenannten "Krise", die sich in Zuckungen und Krämpfen des Körpers ausdrücke.
Es bedeutete einen Sieg der aufgeklärten Kreise über die eher religionsgebundenen traditionellen Kreise, die Gassner zugetan waren, als Mesmer am 23. November 1775 der Kommission demonstrieren konnte, daß die Krämpfe und Zuckungen der Exorzismen Gassners allein durch den "animalischen Magnetismus" erzeugbar waren. Es schien also gar kein Teufel im Spiel zu sein, sondern eine quasi-physikalische Kraft, das heißt eine (scheinbar) wissenschaftlich faßbare Form von Energie. Mesmer erklärte denn auch, daß Gassner über den tierischen Magnetismus heile und seine Erfolge fälschlicherweise dem exorzistischen Ritual zuschreibe. Während Gassner auf Weisung des Regensburger Fürstbischofs (auf Drängen des Kaisers und des Papstes) seine exorzistische Praxis stark einschränken mußte und den Exorzismus nur noch bei Patienten einsetzte, wenn sie von Geistlichen geschickt wurden, begann die Epoche des "animalischen Magnetismus" und die Karriere Mesmers als "magnetischer" Heiler.

Zu Beginn des 19. Jhrd. erreichte der animalische Magnetismus in Deutschland eine gewisse repektvolle Anerkennung in medizinischen Kreisen aufgrund seriöser Publikationen, wobei Mesmer merkwürdigerweise kaum Erwähnung fand, es sei denn als Scharlatan. Das wohl wichtigste Buch dieser Epoche ist das Buch von C.A.F. Kluge 1), das der Medizinhistoriker Gauld (1992), der diesem Buch ein eigenes Kapitel widmet, als "one of the most useful books in the whole history of animal magnetism (p.99)" charakterisiert. Die Abbildung stellt die Titelvignette aus Kluges Buch (Die Nacht, als Mutter der Brüder Schlaf und Tod mit Äskulap).

 

Literatur:
1) Wolfart, K. C. (1815)." Erläuterungen zum Mesmerismus." Berlin, Nikola.
2) Wolfart, K. C. (1815)." Erläuterungen zum Mesmerismus." Berlin, Nikola.
3) Hufeland, C. W. (1816)." Auszug und Anzeig der Schrift des Hernn Leibmedikus Stieglitz über den thierischen Magnetismus, nebst Zusätzen." Berlin, Realschulbuchhandlung.
4) Kluge, K. A. F. (1811)." Versuch eine Darstellung des animalischen Magnetismus, als Heilmittel." Berlin, C. Salfeld.

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