Pierre Janet

Pierre Janet (1859-1947) postulierte schon vor Freud die Existenz unbewußter psychischer Vorgänge, die er mit Hypnose untersuchte.

Pierre Janet, der noch unter Charcot als Arzt an der Salpetrière in Paris gearbeitet hat, hat zwar die falschen Annahmen Charcots über die Hypnose aufgedeckt und gezeigt, daß die drei Stadien des grand hypnotismé, die Charcot annimmt, nichts als beliebige Verhaltensweisen waren, die die Patientinnen von Magnetiseuren übernommen hatten. Dennoch arbeitete er weiter mit Hypnose und entdeckte dabei u.a., daß bestimmte Patientinnen in Trance die Erfahrungen machten, eine andere Persönlichkeit zu sein 1), was ihnen im Wachzustand nicht bewußt war (dissoziate Identitätsstörungen).

Janet hat einen großen Einfluß auf die Entwicklung der Psychotherapie um 1900 gehabt. Dies bezieht sich insbesondere auf die Trennung zwischen "Unterbewußtsein" und "Bewußtsein", die er etwa in seinem Werk l'Automatismé Psychologique vornimmt: Freud und Breuer beziehen sich in ihren Studien über Hysterie (1895) auf Janets Fallgeschichten über Patientinnen, die dadurch geheilt wurden, daß unterbewußte "fixe Ideen" wieder ins Bewußtsein zurückgebracht und durchgearbeitet worden waren. Die Individualpsychologie Alfred Adlers wurde bezüglich der Überlegungen zum Minderwertigkeitsgefühl durch Janets Konzept des "sentiment d'incomplétude" beeinflußt. C.G. Jung, der im Wintersemester 1902/1903 die Vorlesungen Janets in Paris besucht hatte, sieht eine Entsprechung zwischen seinem Konzept "Komplex" und Janets "unterbewußten fixen Idee"

Die International Society of Hypnosis hat die Auszeichnung, die sie für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Klinischen Hypnose verleiht, nach Pierre Janet benannt (Pierre-Janet Award).

Literatur:
Janet, P. (1886). Les actes inconscients et le dédoublement de la personnalité pendant le somnambulisme provoqué. Revue Philosophique, 22, II, 577-592.

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