Mayas

Die Abbildung rechts "zeigt Frau Wak Tun, eine der Gattinnen des Herrschers Yaxun Balam, in einem reich bestickten Huipil mit einem Korb in den Händen vor einer Visionsschlange kniend. Der geflochtene Korb enthält neben blutbefleckten Papierstreifen deutlich sichtbar einen Rochenstachel, iwe er zur Durchbohrung von Körperteilen in der Selbstkasteiung verwendet wurde. Die Schnur, die sich Frau Wak Tub...durch die Zunge zog, fällt nun über den rechten Arm herab....Das Haar ist nach hinten gekämmt und mit blutbefleckten Rinden papierstreifen zusammengebunden....Offenbar hat Frau Wak Tun das Blutopfer gerade beendet, denn nun erscheint für sie eine Vision in Form einer höchst naturalistisch wirkenden Schlange mit weit aufgerissenem Maul, aus dem der Kopf eines Vorfahren herausblickt (Eggebrecht & Eggebrecht, 1992, S, 410. )"

Eine besondere Form der Induktion von Trance, die uns heute wohl sehr drastisch erscheint, findet sich bei den Maya, deren Hochkultur etwa die Zeit von 200-1000 n.Chr. im Gebiet des heutigen Mexico/Yucatan, Chiapas sowie Teile von Guatemala und Honduras umfasste und deren Nachfahren noch heute dort leben. Im Rahmen eines Blutopferrituals, das eine positive Beeinflussung von Göttern und Ahnen bezwecken sollte, erzeugten sie Trance über Blutverlust. Auf das Ritual bereiteten sich die Teilnehmer des Rituals in der Regel mit Dampfbädern oder Fasten vor. Um den Blutfluß während des Blutopferrituals in Gang zu setzen, verwendeten sie Agavestacheln, Rochenstachel oder auch angespitzte Röhrenknochen, womit sie insbesondere die Zunge oder - bei Männern - den Penis perforierten. Dabei wurde darauf geachtet, daß ein kontinuierlicher Blutfluß auftrat, um darüber einen veränderten Bewußtseinszustand zu erreichen, der das Auftreten von Halluzinationen ermöglichte. Die Maya erzeugten aber auch Trancezustände über rituelle Tänze und die Einnahme von Drogen.

Türsturz aus Yaxchilan, Chiapas, Mexico, Tempel 21, 770 n. Chr.
Türsturz aus Yaxchilan, Chiapas, Mexico, Tempel 23, 726 n. Chr.: Um während des Blutopferrituals den Blutfluss aufrecht zu erhalten, wurde u. a. eine mit Dornen versehene Schnur durch die Zunge gezogen.

Literatur:
1) Eggebrecht, E. & Eggebrecht, A. (1992). Die Welt der Maya. Mainz: von Zabern
2) Schele, L. & Miller, M. E. (1986). The Blood of Kings: Dynasty and Ritual in Maya Art. Fort Worth.
3) De Smet, P. (1985). Ritual enemas und snuffs in the Americas. Amsterdam.
4) Robicsek, F. (1978). Representation of Smoking in Ancient Maya Art. In: Actes du XLIIe Congrès International des Américanistes, Vol. 7. S. 399-406.

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