Freud

Sigmund Freud (1859-1947) arbeitete mit Hypnose bevor er die Psychoanalyse entwickelte.

Freud hatte bevor er die Psychoanalyse entwickelte Kontakt zu den beiden rivalisierenden Hypnoseschulen der damaligen Zeit, der Schule von Nancy (Bernheim, Liébeault) und der Salpetrière-Schule (Charcot). Freud verbrachte 1885-1886 vier Monate an der Salpetrière, wo er die Vorlesungen Charcots besuchte und seine theoretischen Vorstellungen zur Hypnose kennenlernte. Im Juli 1889 suchte Freud, der gerade eines von Bernheims Lehrbüchern zur Hypnose übersetzt hatte, Bernheim und Liébeault in Nancy auf. War Freud zunächst von Charcot und seinen Ideen beeindruckt, neigte er schließlich doch der Schule von Nancy zu. In einem am 27. April 1892 vor der Wiener Ärzteschaft gehaltenen Vortrag bekannte Freud sich offen zur Hypnosetheorie von Bernheim.
Freud setzte Hypnose auch therapeutisch ein und scheint dabei über beträchtliche Erfahrung verfügt zu haben wie das folgende Zitat belegt

"Ich habe Jahre hindurch die hypnotische Behandlung geübt, zunächst mit Verbalsuggestionen und später mit der Breuerschen Ausforschung des Patienten kombiniert. Ich darf also über die Erfolge der hypnotischen oder suggestiven Therapie aus guter Erfahrung sprechen" (Freud 1916/17, p. 431f) 2).

Dabei war er mit seiner hypnosetherapeutischen Arbeit durchaus erfolgreich: Bei einer Patientin, die wegen verschiedener hysterischer Symptome ihr Kind nicht stillen konnte, genügten zwei Hypnosesitzungen, um alle Symptome zu beseitigen. Das gleiche geschah noch einmal nach der Geburt eines weiteren Kindes 1).
Freuds spätere Abkehr von der (damals rein klassisch-suggestiven) Hypnose hatte verschiedene Gründe, wobei neben Mißerfolgen (etwa bei der Behandlung der Lucy R.) die eingeschränkte Hypnotisierbarkeit (nicht alle Patienten verfügten über die gleiche Hypnosefähigkeit) wohl ein wesentlicher Grund war (s. Kinzel, 1993, p. 64ff 3)).

Literatur:
1) Freud, S. (1893). Ein Fall von hypnotischer Heilung nebst Bemerkungen über die Entstehunghysterischer Symptome durch den Gegenwillen. Zeitschrift für Hypnotismus, 1, 102-107, 123-129.
2) Freud, S. (1916/17). Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse.
3) Kinzel, C. (1993). Psychoanalyse und Hypnose. München: Quintessenz.

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