Lavater, Wienholt und Boeckmann

Johann Kaspar Lavater (1741-1801), Züricher Pfarrer und Magnetiseur, brachte den Magnetismus nach Bremen..

Der animalische Magnetismus wurde in Deutschland nicht etwa durch seinen Begründer Franz Anton Mesmer, der noch in Frankreich weilte, verbreitet, sondern zum einen durch einen Schweizer, den berühmten Züricher Pastor J.C. Lavater (1741-1801) 3) und zum anderen durch die Initiative des Markgrafen von Baden , Karl-Friedrich (1738- 1811).

Lavater lernte den Magnetismus 1785 in Genf kennen und praktizierte ihn mit Erfolg bei seiner Frau, die unter rheumatischen Anfällen, Migraineattacken, Magenkoliken etc. litt. Im Juli 1786 ging Lavater nach Bremen (er war zum Prediger einer Bremer Gemeinde gewählt worden) und erregte dort die Aufmerksamkeit zweier Ärzte, A. Wienholt (1749-1804), dem Stadtphysikus von Bremen, und H.W.M. Olbers (1758-1840), die nach seiner Anweisung erfolgreich ein Mädchen mit einer "magnetischen" Kur behandelten. Ermutigt durch diesen Erfolg behandelten sie auch weitere Patienten. Wienholt veröffentlichte seine Fälle u.a. in einem dreibändigen Werk 4) (der dritte Band erschien posthum).

Wienholdt
Titel des Buchs von Wienholt

In Süddeutschland fand der animalische Magnetismus Beachtung aufgrund des Interesses, das der Markgraf von Baden, Karl-Friedrich am animalischen Magnetismus hatte. Er schickte den Karlsruher Physikprofessor J.L. Böckmann (1741-1802) nach Straßburg, um dort die Puységursche Technik in der Straßburger Harmonie zu lernen. Böckmann, zunächst dem Magnetismus gegenüber ablehnend eingestellt, ließ sich von den therapeutischen Erfolgen, deren Zeuge er in Straßburg wurde, überzeugen. Er gründete nach seiner Rückkehr das Archiv für Magnetismus und Somnambulismus. Aufgrund seiner eigenen therapeutischen Arbeit favorisierte er später den Mesmerismus (er arbeitete u.a. mit Stahlstäben) gegenüber dem Puységurschen Vorgehen, das seiner Meinung nach zuviel Gewicht auf psychische Faktoren legte.

Ein weiterer wichtiger Vertreter des frühen deutschen Magnetismus war Eberhard Gmelin (1751-1809), ein Arzt aus Heilbronn, der ebenfalls einflußreiche Bücher zum animalischen Magnetismus veröffentlichte 5) und der vermutlich über die magnetischen Aktivitäten in Baden zum Magnetismus fand. Seine Bücher machten Eindruck auf den medizinischen Direktor der Charité in Berlin, Professor C.G. Selle (1748-1800), so daß sich auch in Berlin eine magnetische "Szene" entwickelte..
Das Archiv für den thierischen Magnetismus, das in 12 Bänden zwischen 1817 und 1824 erschien, war dann später das seriöse Sprachrohr des animalischen Magnetismus in Deutschland. Es wurde von den Universitätsprofessoren Eschenmayer, Kieser und Nasse (später ersetzt durch den Botaniker C.G.Nees von Esenbeck) herausgegeben

Johann Caspar Lavater
Buch von Boeckmann

Literatur:
1) Kluge, C.A.F. (1811). Versuch einer Darstellung des animalischen Magnetismus als Heilmittel. Berlin: Salfeld.
2) Gauld, A. (1992). A history of hypnotism. Cambridge: University Press.
3) John, A. (1996). Tierischer Magnetismus und Schulmedizin in Bremen während der Aufklärung. Frankfurt: Lang.
4) Wienholt, A. (1802). Heilkraft des thierischen Magnetismus nach eigenen Beobachtungen. Lemgo: Meyersche Buchhandlung.
5) Gmelin, E. (1787). Über thierischen Magnetismus. Tübingen: Jakob Friderich Heerbrandt.

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